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| Ausländische Anbieter von Abfall- und Recycling-Technik melden gute Geschäfte / Markt schwächt sich ab / Von Rainer Jaensch
Toronto, 19.11.2008 (bfai) - Unter dem weltweiten Konjunktureinbruch hat auch das Recyclinggeschäft in Kanada zu leiden. Schließlich erzielen Metalle nicht mehr die Rekordpreise, die sie noch vor einem halben Jahr erzielten. Auch macht die Bankenkrise die Finanzierung größerer Projekte schwierig. Mittel- und langfristig sind jedoch die Perspektiven für die Abfallverwertung in Kanada gut. Im Vergleich zu Europa ist dieser Sektor noch nicht so weit entwickelt, folgt aber dem europäischen Vorbild. Dies zeigt sich auch bei den Ausrüstungen. (Kontaktanschrift)
Geräte, Maschinen und Anlagen zur Abfallbehandlung und zum Recycling kommen in Kanada nicht selten aus dem Ausland. Dieses Bild bot sich auch dem Besucher der Canadian Waste & Recycling Expo. Auf der von der Messe Frankfurt organisierten Veranstaltung am 5. und 6.11.08 im International Centre in Toronto waren ausländische Anbieter stark vertreten. Vor allem Aussteller aus den USA, aber auch Europa, nicht zuletzt aus Deutschland, waren auf der Messe und Konferenz gut positioniert.
Dabei kommen nicht nur hochentwickelte Recycling-Anlagen aus Europa zum Zuge, sondern auch beispielsweise Mülltonnen des deutschen Herstellers Otto. Produziert werden sie unter anderem in den USA und finden dort wie auch in Kanada ihren Absatz, wo sie in den letzten Jahren Umsatzzuwächse von 20 bis 25% pro Jahr erzielten. Im Jahr 2008 dürften es rund 20% werden, war auf dem Ausstellungstand zu erfahren. Angetrieben wird der Markt von der zunehmenden Trennung des Haushaltsmülls in Papier, Biomüll, Verpackungen etc. Für den Markterfolg sind die Qualität des Produkts sowie der Garantieanspruch und ein prompter After Sales Service verantwortlich. Zu seinem Hauptkonkurrenten zählt Otto die US-Firma Rehrig Pacific Co.
Mit einem europäischen Mülltonnen-Design war auf dem Ausstellungsgelände die Firma Schäfer vertreten. Auf den Messeständen wie auch bei Vorträgen wurde betont, dass Europa in Sachen Abfall-Management und Recycling als Vorbild gilt.
Stark waren europäische und vor allem deutsche Anbieter von Maschinen und Anlagen vertreten, bei denen es auf moderne Technologie, Präzision und Robustheit ankommt. Der deutsche Hersteller von Shreddern und Zerkleinerungsmaschinen Doppstadt, der über das kanadische Handelshaus Voghel präsent war, verbuchte in den letzten Jahren Umsatzzuwächse von 15 bis 20% pro Jahr. Seit dem Sommer 2008 läuft das Geschäft jedoch wegen der Finanzkrise etwas schwerfälliger. Für die privaten Unternehmen wie die städtischen Abnehmer, die mit Hilfe der Maschinen Abfall-Recycling betreiben, wird die Finanzierung schwieriger. Somit kann sich 2009 das Umsatzplus für Doppstadt auf eine einstellige Größe reduzieren.
Die mittel- bis langfristigen Aussichten bleiben aber weiterhin vielversprechend, erklärte Elke Ernest, General Manager von Doppstadt America Inc. gegenüber der bfai. So produziert Nordamerika pro Kopf ein Mehrfaches des Abfalls von Europa, ist jedoch in der Verarbeitung und Verwertung noch nicht so weit fortgeschritten.
Auf starke Zuwächse blickt der deutsche Shredder-Hersteller Vecoplan zurück. Von den USA aus bedient er auch den kanadischen Markt und hat dort seinen Umsatz seit 2000 von rund 12 Mio. auf 70 Mio. kanadische Dollar (kan$; 1 Euro = 1,54 kan$, rund 46 Mio. Euro) erhöht. Nachdem die Steigerungen bislang im zweistelligen Bereich lagen, haben sie sich nun auf einen einstelligen Zuwachs abgeflacht. Trotz Finanzkrise und drohender Rezession erwartet man für 2009 ebenfalls eine einstellige Umsatzsteigerung.
Die Kunden der Vecoplan befinden sich im Industriesektor, vor allem in der chemischen Industrie sowie in der Papierbranche. Diese Sektoren sind durch den jüngsten Konjunktureinbruch betroffen oder waren ohnehin schwach aufgestellt. Positiv ist für den deutschen Anbieter der momentan wieder stärker gewordenen US-Dollar. Bei einer Kursrelation von 1,60 war es wesentlich schwieriger, erklärte der Aussteller. Schließlich ist der Vecoplan-Shredder, der US- und deutsche Produkte zu seinen Hauptkonkurrenten zählt, bereits teurer als die US-Konkurrenz. Dafür kann Vecoplan jedoch mit dem Originalprodukt und einer hohen Qualität aufwarten.
Auf Umsatzsteigerungen von 20 bis 30% pro Jahr blickt der im kanadischen Québec beheimatete Hersteller von Recycling-Anlagen Machinex Recycling Services zurück. Mit ungefähr demselben Tempo solle es auch weiter gehen, war auf dem Messestand zu erfahren. Die Kunden sind ungefähr zur Hälfte städtische Gemeinden und zum anderen private Unternehmen, die mit dem Abbau von Müllhalden befasst sind. Der dynamischere Kundenkreis ist Letzterer. Die beiden stärksten Wachstumssegmente liegen in der Verarbeitung von Elektronik-Abfällen und Bauschutt. Der letztgenannte Bereich hat zwar den größeren Mengeneffekt. In den ausgesonderten Elektronik-Geräten (von Computern und Fernsehgeräten bis zu Handys) stecken jedoch Edelmetalle und andere nützliche Materialien.
Mit dem rapiden technologischen Wandel bei Computern und Handys wächst der Müllberg entsprechend schnell. Auftrieb bekommt das "E-Waste-Recycling" von politischer Seite. So haben die wichtigsten Provinzen entsprechende Programme aufgelegt.
Recycling-Programme der Provinzen für Elektronik-Abfälle Provinz
Alberta Erste Provinz mit E-Waste-Program. Seit 2004 sind mehr als 11.000 t verarbeitet worden
Saskatchewan Das 2007 lancierte "Waste Electronic Equipment Program" hat im ersten Jahr über 1.350 t gesammelt.
British Columbia Die Electronics Stewardship Association begann im August 2007 und hat seitdem über 4.200 t E-Abfall wiederverwertet.
Ontario Das ausformulierte Programm wartet auf die Minister-Genehmigung
Québec Vorschläge sind noch in der Bearbeitung
Manitoba Im Jahr 2007 sind vorübergehende Sammelpunkte für E-Abfälle an vier Depots für 26 Gemeinden errichtet worden, wobei über 305 t gesammelt wurden.
Quelle: Canadian Plastics Industry Association
Einen Schub nach vorne dürfte das E-Waste-Recycling erfahren, wenn die geplanten Programme in Ontario und Québec in Kraft treten. Schließlich sind dies die mit Abstand bevölkerungsreichsten und am stärksten industrialisierten Provinzen. Dort hat auch der Recycling-Anlagenbauer Machinex seine Hauptabsatzmärkte. Danach folgen British Columbia und Alberta.
Neu auf dem kanadischen Markt für Ausrüstungen zur Behandlung von Metallabfällen ist der Maschinenbauer Liebherr. Seine Kräne sind speziell für diese Aufgabe ausgelegt und bewältigen entsprechend schwere Lasten. In diesem Nischenmarkt steht das Unternehmen unter anderem in Konkurrenz zu Caterpillar und setzt dabei auf hohe Qualität, Robustheit und Treibstoffeffizienz. Angesichts der Finanzkrise ist das Geschäft momentan jedoch schwierig. Jeder wartet zur Zeit ab, heißt es auf dem Liebherr-Messestand.
Die zweitägige Messe, auf der sich rund 200 Aussteller präsentierten, dürfte nach den Erwartungen des Veranstalters über 2.500 Besucher angezogen haben. Die meisten von der bfai befragten Unternehmen zeigten sich mit der Veranstaltung zufrieden. Sie ist zwar klein, aber die einzige Messe in Kanada für Abfall-Management und Recycling. Die nächste Canadian Waste and Recycling Expo findet Ende Oktober 2009 in Vancouver statt.
Kontaktanschrift:
Canadian Waste & Recycling Expo
Veranstalter: Messe Frankfurt (Canada)
Mr. Arnie Gess, Show Manager
Tel.: 001 403/638 72 85, Fax: -13
E-Mail: arnie.gess@cwre.ca, Internet: www.cwre.ca
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